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Im September und Oktober gibt es eine hohe Volatilität beim US-Dollar

Viele Daytrader nutzen die täglichen Schwankungen der Devisenkurse, um durch kurzfristig disponierte An- und Verkaufstransaktionen Wertzuwächse zu generieren. Neben vergleichsweise unplanbaren dramatischen Ereignissen wie politischen Krisen im Nahen und Fernen Osten sowie bevorstehenden militärischen Konflikten gibt es aber beinahe jährlich einen Zeitraum sehr hoher Volatilität beim US-Dollar. Wer diese plötzlichen, hektischen Kursbewegungen im September und Oktober beinahe jeden Jahres nachvollziehen möchte, der sollte sich dem Thema anhand der verschiedenen Schuldengrenzen oder Schuldenbremsen in Deutschland und den USA nähern.

In den USA gibt es anders als in Deutschland eine absolute Schuldenobergrenze

Im Wirtschaftsteil der Zeitung ist oftmals von einer Schuldenbremse für Deutschland die Rede. In der Tat ist es aber nicht eine einzige, automatisch greifende Schuldenbremse, die eine Zwangsbremsung auslösen würde. Stattdessen gilt eine Regelung, die das jährliche Defizit lt. Art. 115 des Grundgesetzes auf 0,35 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprouktes begrenzen soll. Hinzu kommen noch zusätzliche Möglichkeiten der Kreditaufnahme bei einer schlecht laufenden Konjunktur oder auch Rezession. Dann ist eine weitere Verschuldungsmöglichkeit von jährlich 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes möglich.

Die Regelungen in den USA sind dagegen ganz eindeutig: Jährlich wird eine neue, absolute Schuldenobergrenze festgelegt. Nach deren Überschreiten kann die Regierung zwar noch einen Haushalt aufstellen, das Finanzministerium aber die Auszahlungen verweigern. Vor diesem Hintergrund sind die Verhandlungen zwischen dem Parlament und dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama zu sehen: I, September und Oktober finden die Verhandlungen zum Haushalt des nächsten Jahres statt, bei denen die Opposition eine scharfe Waffe nutzt.

Die absolute Schuldenobergrenze (Fiscal Cliff) wird als Drohkulisse genutzt

Wie die Tagessschau am 01.10.2013 berichtete ist die Diskussion um den Haushalt der amerikanischen Regierung im Jahr 2013 bis zum Maximalen eskaliert. Barack Obama musste einen Großteil der Beamten in unbezahlten Zwangsurlaub schicken, weil er keine Staatsausgaben mehr tätigen konnte. Notierte ein Euro am 30. September noch mit 1,349 US-Dollar, so mussten am 03. Oktober bereits 1,362 US-Dollar pro Euro bezahlt werden. Die amerikanische Währung verlor binnen kurzem also ein Prozent des Wertes, was bei Hebelprodukten oder Optionen zu einer entsprechend hohen Volatilität führte. Im Monatsvergleich vom 05. September 2013 bis zum 05. Oktober 2013 büßte der Dollar sogar beinahe 3,4 % seines Wertes ein.

Zwischen dem 24. und 27. Oktober 2013 mussten – gemessen am Mittelkurs – sogar 1,38 US-Dollar pro Euro bezahlt werden. Die entsprechenden Volatilitäten in allen Zeiträumen, in denen der Fortbestand der Regierung auf dem Spiel steht, sind außerordentlich hoch. Alle diejenigen, die in US-Dollar investieren, sollten in diesem Zeitraum ganz exakt die Meldungslage beobachten.

Im Jahr 2013 wurde die Nicht-Erhöhung der Schuldengrenze von der Opposition beispielsweise genutzt, um Änderungen in der Krankenversicherung (der sog. Obamacare) zu bekämpfen und die steuerliche Entlastung des Mittelstandes zu forcieren.

Ein versuchter Blick in die Glaskugel für September/Oktober 2014

Der Haushalt der Vereinigten Staaten von Amerika wird immer für den Zeitraum vom Oktober des Jahres bis zum 30. September des nächsten Jahres festgelegt. Der diesjährige Haushaltsansatz endet also am 30. September 2014. Kurz vorher wird es wieder zu Verhandlungen zwischen Barack Obama und dem Parlament kommen. Die republikanische Partei, deren Zustimmung zur Verabschiedung des neuen Haushaltes notwendig ist, macht schon jetzt massiv Front gegen die Politik Barack Obamas: Am 20. Januar 2017 – zum Ende der Legislaturperiode – sollte kein Kandidat der demokratischen Partei mehr im Amt sein. Barack Obamas Amtszeit wird sogar als Error (Fehler) bezeichnet, was auf eine erneute Konfrontation hindeutet. Gleichzeitig startet die größte Oppositionspartei eine „Fire Raid“ Kampagne, die sich direkt gegen einen führenden Abgeordneten von Barack Obamas Demokratischer Partei und einen Vertreter der Gesundheitspolitik wendet.

Während der Haushaltsverhandlungen wird es wahrscheinlich zu erheblichen Aktienkurs- und Devisenkursbewegungen kommen. Einerseits bei Pharmawerten, die direkt von der Frage der Krankenkassenfinanzierung abhängen, andererseits auch beim US-Dollar. Die Opposition wird im Rahmen einer Generaldebatte alle Fehler der Regierung auflisten und die Schwächen der Wirtschaftspolitik beleuchten.

Es wird zu starken Ausschlägen des Kurses des US-Dollars kommen, eine Verringerung der Volatilität ist erst im Oktober 2014 zu erwarten. Für einen kurzfristigen Trade im US-Dollar wird die genaue Beobachtung in der dritten und vierten September-Woche entscheidend sein. Zusätzlich könnten amerikanische Sanktionen gegen Russland ebenso destabilisierend wirken wie eine neue, befürchtete Eiszeit zwischen USA und Russland. Aufgrund der nicht so wie erwartet anziehenden Konjunktur wird die neue Schuldenobergrenze zudem weit vor dem März 2015 erreicht.